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Michi’s Challenge Roth 2012

Um es in wenigen Worten zu erfassen: andere Länder andere Sitten. Dieser Spruch bewahrheitete sich letztes Wochenende bei unserem Ausflug nach Bayern zur Challenge Roth.

Mit gutem Gefühl angereist, kam nach der Registrierung gleich das altbekannte Bauchkribbeln vor einer Langdistanz.

Am Freitagmorgen schnupperten Peter, Mario, Adi und ich das erste Mal Wettkampfluft beim gemeinsamen Schwimmtraining auf der Originalstrecke im Europakanal. Bereits da wurde uns klar, dass es diesmal wirklich ordentlich zur Sache gehen würde. Die schnurgerade Strecke im Kanal schrie förmlich nach neuen persönlichen (Schwimm) Bestzeiten.

Nach dem Check-in waren wir am Samstagabend alle gemeinsam bei „Angelo“, unserem „Stammitaliener“ in Roth zum Essen. Mit 22 Personen ! In Anbetracht der „nur“ vier startenden Athleten eine doch sehr große Fangemeinde, die extra wegen uns Burschen so weit angereist war.

VIELEN DANK FÜR DIESE GROSSE UNTERSTÜTZUNG.

Sonntag 8. Juli 4h der Wecker läutet. Tag X ist schneller gekommen als ich dachte. Alles läuft wie ein Film vor mir ab. Kurzer Aufenthalt im Bad. Frisch machen und Sonnencreme auftragen. Dann noch mal kurz ein Utensilien-Check, ob auch wirklich alles eingepackt ist. 4.30h Frühstück. Die Anspannung im Raum ist zum Greifen. Danach noch kurzer „Pflichtaufenthalt“ am WC und ab zum Start.

Adi war an diesem Tag unser Chauffeur und bewältigte diese Aufgabe mit Bravour. Nach kurzem Radcheck und aufsuchen eines der unzähligen Dixi`s gaben wir unsere Lauf und After-Race Säckchen ab.

Da wir alle vier in der gleichen Startwelle waren ging es anschließend gleich Richtung Wasser. Nach kurzem, gegenseitigem Schulterklopfen suchte sich jeder von uns die ideale Startposition. Die Stimmung in diesen Minuten vor dem Startschuss versetzt mir sogar beim Schreiben eine Gänsehaut.

Unzählige Personen an den beiden Ufern und noch viel mehr auf der darüber liegenden Brücke. Pünktlich um 7h fiel der Startschuss und auf ging es in mein Rennen gegen die Zeit.

Durch die Startwellen gab es sehr wenig Gedränge im Wasser und es ging wirklich voll dahin. Kurz nach der letzten Wende war auch schon der Schwimmausstieg da. Mein Blick fiel das erste Mal auf meine Uhr, 1h 4min! Ich dachte ich hätte mich verschaut und lief etwas außer Atem mit meinem Sackerl ins Wechselzelt.

Nun begab ich mich auf die 180km Radstrecke und blickte erneut auf meine Uhr. Nach 1h und 7min saß ich tatsächlich schon auf dem Rad.

Die ersten 20 Kilometer der Strecke waren etwas wellig. Danach ging es aber voll zur Sache. Einzig der Wind wehte teilweise sehr heftig und böig von allen Seiten, aber meist von vorne. Getrieben von Wind und Euphorie verstrich ein Kilometer um den anderen und mein Blick, für meine Verhältnisse, sehr oft auf meine Uhr. Bei der halben Radstrecke fuhr ich an Mike vorbei. Er hatte erneut eine Reifenpanne erlitten.

Das hielt in trotzdem nicht auf, mich nach kurzer Zeit einzuholen. Von seiner guten Laune angetrieben, legten wir etliche Kilometer zusammen zurück. Das war der größte Fehler der uns, bzw. mir an diesem Tag passieren sollte. Ein Kampfrichter beobachtete uns schon eine Weile und da ich links neben Mike fuhr erwischte mich eine 8-Minuten-Zeitstrafe. Es folgten die längsten 8 Minuten in meinem Leben. Ich nutzte die Zwangspause für einen WC-Besuch und aß in Ruhe einen Energieriegel. Danach trat das ein was jeder an meiner Stelle getan hätte, ich fuhr mit einer solchen Wut im Bauch und verheizte mich total.

In der Wechselzone 2 angekommen, fanden die unzähligen Helfer meinen Wechselsack nicht auf Anhieb und ich verlor fast die Nerven. Nach 6h und 35min lief ich los und glaubte noch an eine Endzeit von unter 10h.

Nach ein paar Metern konnte ich Mario einholen, der mich zuvor bei meiner Zwangspause überholte. Es schien ihm auch nicht so gut zu gehen und nach ein paar kurzen Worten machte ich mich auf meinen Vorsprung auf Mario auszubauen. Bis Km 10 ging das auch ganz gut. Doch dann begann der Anfang vom Ende. Nach jeder Labe blähte sich mein Magen auf und krampfte. Ich musste immer wieder Gehpausen einlegen bzw. den Wald besuchen. Zu dem Ganzen zermürbte mich die Laustrecke auch noch mental. Diese kilometerlange Gerade am Kanal entlang wo man genau wusste wie weit der Weg zurück noch ist. Kurz vor Km 18 dachte ich schon ans aufgeben. Das erste Mal in meiner „Karriere“ hatte mich der Marathon fast gebrochen.

Mein Glück war, dass ich an diesem Tiefpunkt auf Adi traf der mir große mentale Unterstützung gab und mich darüber informierte, dass meine Frau beim Halbmarathon steht. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nur mehr sie im Kopf und freute mich schon auf ein Wiedersehen. Nach einem kurzen, hastigen Kuss machte ich mich auf die zweite Hälfte der Laufstrecke mit ihren ständigen Höhen und Tiefen. Da mein Magen nur mehr Wasser vertrug, wurden meine Beine immer schwerer und mein Speicher im leerer.

Nach 10:45 Std kam ich ins lang ersehnte Ziel und konnte endlich meine Frau umarmen und alles von mir lassen.

In Summe habe ich mein Ziel nicht erreicht, jedoch letztendlich gefinisht. Der beste Beweis dafür, was der Kopf trotz schwer angeschlagenem Körper alles leisten kann.

Vielen lieben Dank an unsere zahlreichen Freunde und Verwandte an der Strecke. Vor allem meiner Frau Angie, für die große moralische Unterstützung.

Ich lege jetzt erst mal die Beine hoch. Alles Gute und bis zum nächsten Mal.

euer
Michi

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